Über
das Objektive und das Subjektive
an der Literatur
Geht man davon aus,
daß die drei komponenten:
klares erzählen, enthusiastische lyrik, dramatisch
agierende personen zu recht als hauptbestandteile
der literatur benannt sind, so tritt die literarische
sprache als viertes dazu, um notwendigerweise die abgrenzung
zur trivialliteratur zu schaffen. ohne diese sprache
verbleibt das beste konstrukt außerhalb von literatur.
mit dieser sprache wird der übelste worst case literature.
dies ist allerdings das minimum, auf das man sich einigen
müßte. sonst entgleitet jede diskussion völlig in die
beliebigkeit.
objektiv literarische sprache: was ist das?
es ist die aus allen sprachschattierungen, über die der autor
verfügt, diktatorisch verfügen können muß, sonst
ist
er kein autor, die jeweilige, die dem inhalt angemessen
ist, ihn am besten ausdrückt. das kann dialekt und einfaches
hochdeutsch, gossenjargon oder gebrochenes
deutsch sein, solange es in direkter oder indirekter rede
oder im inneren monolog verbleibt. dort ist auch das
wort „scheiße“ durchaus angebracht, wenn die figur es
eben gern verwendet. dort ist kitsch angebracht, wenn
die figur in kitschwörtern fühlt oder ihre echten gefühle
nicht anders ausdrücken kann.
wo es um den tragenden text geht, auch im klar erzählenden,
ist für literatur meines erachtens immer eine gehobene
sprache, eine hohe sprachebene nötig. das heißt
nicht, daß nur eine ins unverständliche verrätselte sprache
eine hohe ebene hat, sondern daß sich ein großer
wortschatz mit nicht zufälliger, aus der eigenen redeweise
übernommener
setzung paart, daß wortfelder spielerisch
abgeklopft werden in ihren doppel- und mehrdeutigkeiten,
daß haarfeine vergleiche gesucht werden, daß
also schlicht sich etwas dabei gedacht werde. da ist ein
gewisses taktgefühl erforderlich, nimium nocet, zuviel davon
schadet, es muß noch ein natürlicher rhythmus, ein
ungezwungenes verstehen, eine leichtigkeit bleiben, will
sich nicht die sprache ganz in den vordergrund drängen,
was bei ganz abstrakten inhalten allerdings geboten sein
kann.
auf einem ganz anderen blatt stehen die subjektiven kriterien,
nach denen etwas als literatur betrachtet wird. da
findet wohl jeder seine eigenen. ist´s für den einen schon
alles, was er überhaupt liest, ist´s für den nächsten
nur
das, was er gern liest, und für den dritten scheiden sich
halt an der sprache die geister.
für mich persönlich gibt´s auch sehr viel hochsprache,
die
mich überhaupt nicht interessiert. sehr viel kitsch, den
ich liebe. triviales, das fesselt. sachbücher, die für mich
am spannendsten sind, will ich doch immer noch wissen,
was die welt im innersten zusammenhält.
doch sollte man sich bei jedem text darüber im klaren
sein, was man vor sich hat, dies auch klar beurteilen
können, und dennoch dazu stehen, was einen wirklich
berührt, nicht langweilt, fesselt.
Weil ich dich
leibe
du liegst mir im herzen,
im sinn
du reibst mir den verstand
in deinem strom ich treibe
weil ich dich leibe
du spielst die erste geige
und ich bin überstimmt
du meine letzte bleibe
weil ich dich leibe
ich schreib dir leibeslieder
auf deine heile haut
du meiner augen weide
weil ich dich leibe
ich greif in deine saiten
ich binde dir ein band
aus raupenreiner seide
weil ich dich leibe
und wenn ich dereinst scheide
aus deinem weiten land
mag sein ich leide
weil ich dich leibe
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